Unfallbuch / Verbandbuch in der Kita

Warum ein Kita – Unfallbuch / Verbandbuch sorgfältig geführt werden sollte 
Rechtsanwalt Holger Klaus

Und zack! Tüchtig hingeplumst aber zum Glück außer ein paar Kratzern, einer kleinen Beule am Kopf und einem großen Schrecken mit drei Tränchen ist nicht viel passiert. Jetzt noch schnell trösten und das Kita-Kind kann wieder losflitzen.

Eigentlich müsste jetzt eine entsprechende Eintragung im Unfallbuch bzw. Verbandbuch erfolgen.

Denn die Unfallkassen fordern dies zu Recht auch für sog. Bagatellunfälle. Doch leider unterbleibt dies oftmals angesichts des Trubels, der täglichen Arbeitsbelastung und aufgrund von Fehleinschätzungen. Dies ist für alle Beteiligten in mehrfacher Hinsicht misslich:

Denn zum einen wird dem verunfallten Kind bzw. seinen Eltern hierdurch womöglich ein Rückgriffsanspruch gegenüber der jeweiligen Unfallkasse verwehrt.

Denn auch sog. Bagatellunfälle (oder was dafür gehalten wird) können noch Unfallfolgen nach sich ziehen, die erst mit einiger Verzögerung eintreten.

Schon im obigen Beispiel wäre denkbar, dass sich die erwähnten Kratzer entzünden und es zu einer Blutvergiftung kommt. Oder die kleine Beule am Kopf ist nur der sichtbare Begleitumstand einer Gehirnerschütterung. Sollte es zu solchen Folgen mit zeitlicher Verzögerung kommen, wäre es dann ggf. an den Eltern den Kausalzusammenhang mit einem Kita-Unfall nachzuweisen. Und ein gut geführtes Unfallbuch hilft hier weiter. Denn natürlich werden sich auch Erzieher nicht an alles hinreichend präzise erinnern können.

Zum anderen schützt ein vollständiges Unfallbuch natürlich auch Erzieher und Träger.

Denn hierdurch kann zumindest der erste Anschein begründet werden, dass ein durch Eltern unrichtig behaupteter Kita-Unfall (alles schon erlebt!) sich tatsächlich gar nicht in der Kita ereignet hat.

Schlussendlich zeugt ein nicht ordnungsgemäß geführtes Unfall- oder Verbandbuch nicht gerade von einer guten Organisation des Kindergartens durch den Träger und/oder der Einrichtungsleitung.

Daher sind Nachlässigkeiten an dieser Stelle umso verwunderlicher, als dass sich erfahrungsgemäß die jeweiligen Aufsichtsbehörden bei einem Besuch natürlich auch mal das Unfallbuch zur Einsicht vorlegen lassen.

Und es weckt natürlich ein gewisses Misstrauen, wenn sich über das ganze Jahr keine oder nur äußerst wenige Einträge finden lassen. Denn irgendwas – so sagt schon die Erfahrung – ist doch immer.

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veröffentlicht von Rechtsanwalt Holger Klaus

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Rechtsanwalt Holger Klaus ist Autor des Fachbuches:

Rechte und Pflichten in der Kita
Was Kinder dürfen und Erzieher/innen müssen
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ISBN 978-3-407-62853-4
1. Auflage, 128 Seiten.
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Aufsichtspflichtverletzung durch Erzieherin?

Stadt Münster kündigt Kita-Leiterin: Ihr Terrier biß Kind in Kita ins Gesicht – Aufsichtspflichtverletzung?
Rechtsanwalt Holger Klaus

Eine Meldung (zum Beispiel hier und hier) macht gerade die Runde. Danach ist einer Kita-Leiterin durch den Träger gekündigt worden, da ihr Hund, der unerlaubterweise in der Kita war, ein Kind gebissen haben soll. Konkret vorgeworfen wird der Erzieherin eine Verletzung der Aufsichtspflicht.

Denn aktuellen Fall und seine Hintergründe kennen wir nicht. Daher verbieten sich hier Mutmaßungen. Aber dennoch Grund genug, sich die Aufsichtspflicht losgelöst von dem Vorfall einmal genauer anzuschauen.

Was wird unter der Aufsichtspflicht verstanden? Hierunter versteht man die Pflicht zur Beaufsichtigung von Kindern und Jugendlichen zum Beispiel in Kita, Hort und Schule (auch auch zum Beispiel bei Kindergeburtstagen) damit sie selbst vor Gefahren und Schaden bewahrt aber – auch das ist wichtig! – auch nicht anderen, Erziehern, Eltern, anderen Kindern oder Gegenständen die im Eigentum eines anderen stehen, Schaden zuzufügen.

Hierzu gehört im Einzelnen erst keine Gefahren zu schaffen. Dies kann im obigen Beispiel schon fragwürdig sein, wenn der Besuch des Hundes in der Kita seitens des Trägers vielleicht untersagt war und sich der Hund womöglich nicht als geeignet zeigt. 

Da aber ungeachtet dessen eine Welt ganz ohne Gefahren nicht denkbar ist (und auch die Kinder ja auf diese Welt vorbereitet werden sollen) gehört ebenso zur Aufsichtspflicht, etwaige Gefahren zu beseitigen oder zumindest zu kontrollieren.

Sind Gefahren nicht zu beseitigen und nur kontrollierbar so gehört ebenso zur Aufsichtspflicht, die Kinder über das Vorhandensein und gegebenenfalls den Umgang mit diesen Gefahren ausreichend zu belehren. In unserem Seminar berichten wir hierzu stets über einen tatsächlichen Fall, bei dem es im Rahmen eines Kita-Waldausflugs zu einem tragischen Unglück gekommen ist. In der gerichtlichen Aufarbeitung dieses Vorfalls stellte sich dann heraus, dass mit den Kindern im Vorfeld faktisch gar nicht über die Gefahren im Wald (zum Beispiel durch gelagerte Baumstämme) gesprochen worden ist und auch ein sonstiges “richtiges” Verhalten im Wald nicht thematisiert wurde. 

Da, wie gesagt, Gefahren nie umfassend verhindert, beseitigt oder kontrolliert werden können (und auch Kinder selbst durchaus gefährliches Anstellen können) ist weiter von der Aufsichtspflicht die adäquate Überwachung der Kinder und Jugendlichen umfasst. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass nicht alle Kinder gleich zu überwachen sind. Im Gegenteil ist zu prüfen, wer im welchem Umfang etwas intensiver überwacht werden muss. Dies bestimmt sich nach der Situation (im Kitagarten vielleicht weniger, beim Ausflug viel mehr), aber auch nach den individuellen Fähigkeiten und der jeweiligen Entwicklung des Kindes. Kurz gesagt, wer etwas lebhafter und abenteuerlicher ist, muss intensiver im Auge behalten werden, als vielleicht das ruhige, verlässliche Pendant. 

Soweit es Belehrungen und aufgestellte Regeln gegeben hat, ist es im Rahmen der Überwachung unerlässlich zu prüfen, ob diese auch eingehalten werden. Frei nach dem Motto: Vertrauen ist gut, gezielte Kontrolle ist besser.

Schlussendlich muss natürlich auch eingegriffen werden. Jede Überwachung ist nutzlos, wenn im Fall der Fälle nicht richtig gehandelt wird.

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Rechtsanwalt Holger Klaus ist Autor des Fachbuches:

Rechte und Pflichten in der Kita
Was Kinder dürfen und Erzieher/innen müssen
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ISBN 978-3-407-62853-4
1. Auflage, 128 Seiten.
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