Muss man weil der Chef es will an Sonntagen und Feiertagen arbeiten?

Sonn- und Feiertagsarbeit aufgrund der Weisung des Arbeitgebers?
Rechtsanwalt Holger Klaus

Was gilt, wenn der Chef beschließt, dass ein Arbeitnehmer auch an Sonntagen oder Feiertagen arbeiten soll und der Arbeitsvertrag hierzu keine gesonderte Regelung vorsieht?

Das Bundesarbeitsgericht hatte sich mit Urteil vom 15.09.2009, Az.: AZR 757/08) dahingehend jedenfalls positioniert, dass das Weisungsrecht des Arbeitgebers (auch Direktionsrecht genannt) es grundsätzlich gestattet, dem Arbeitnehmer auch die Arbeit an Sonntagen und Feiertagen zuzuweisen, § 106 GewO.

Zwar könne eine Vereinbarung, an welchen Wochentagen die Arbeitsleistung zu erbringen ist, auch konkludent, d.h. durch schlüssiges Verhalten, getroffen werden. Allerdings spricht es zumeist gegen den Willen eines Arbeitgebers mit jedem Arbeitnehmer individuell eine unveräderliche Lage der Arbeitszeit zu vereinbaren. Daher kann der Arbeitnehmer grundsätzlich nicht davon ausgehen, dass die Arbeitszeitverteilung konkludent vereinbart ist, die im Zeitpunkt des Abschlusses des Arbeitsvertrages im Betrieb bestanden hatte.

Auch reiche es nicht aus, dass ein Arbeitnehmer über einen längeren Zeitraum nicht an Sonn- und Feiertagen eingesetzt wurde. Daran ändere sich auch nichts, wenn dieser Zeitraum länger als 30 Jahre angedauert hat. Ohne weitere besondere Umstände darf ein Arbeitnehmer in solchen nicht darauf vertrauen, dass sich an seiner Arbeitszeit nichts ändere.

Fazit: Ein Arbeitnehmer, der aus persönlichen Gründen an einer bestimmten Verteilung der Arbeitszeit interessiert ist, muss daher mit dem Arbeitgeber vereinbaren, dass seine Arbeitszeit nicht von der betriebsüblichen Arbeitszeit abhängen soll und nur einvernehmlich geändert werden kann.

veröffentlicht von Rechtsanwalt Holger Klaus

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