Verdachtskündigung ohne vorherige Anhörung?

Das Arbeitsgericht Berlin ist dagegen!
Rechtsanwalt Holger Klaus

Sicherlich kann ein Verdacht erdrückend und die Aufregung auf der Seite des Arbeitgebers entsprechend groß sein. Aber darf sogleich und ohne vorherige Anhörung des verdächtigten Arbeitnehmers das Arbeitsverhältnis gekündigt werden?

Zumindest das Arbeitsgericht Berlin hat dies in einem jüngst entschiedenen Fall (Arbeitsgericht Berlin Az.: 28 Ca 1396/12) abgelehnt.

Auch im Hinblick auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit dürfte diese Entscheidung richtig sein. Auch sollte die Anhörung entsprechend dokumentiert und mit Zeugen beweisbar gemacht werden, um später dem eventuellen Einwand der fehlenden oder mangelhaften Anhörung entgegentreten zu können.

Der Arbeitgeber “vergibt” sich hier auch nichts. Denn spätestens in einem vom Arbeitnehmer angestrengten Kündigungsschutzverfahren vor dem Arbeitsgericht wird er die “Version” des Arbeitnehmers sowieso erfahren. Dies kann er auch also auch vorher haben.

Allerdings sollte im Fall einer angedachten fristlosen Kündigung natürlich die Frist des § 626 Abs.2 BGB beachtet werden. Eine Anhörung sollte daher zügig nach Bekanntwerden des Verdachts erfolgen. 

Weiteres zur Verdachtskündigung finden Sie hier. 

veröffentlicht von Rechtsanwalt Holger Klaus

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