“kennen gelernt” im Arbeitszeugnis nicht unbedingt negativ.

“Wir haben als… Mitarbeiter kennen gelernt”
Rechtsanwalt Holger Klaus

Bei Arbeitszeugnissen stellt sich für viele Arbeitnehmer oft die Frage, ob gewisse Formulierungen einen (negativen) “Geheimcode” des Arbeitgebers darstellen, mit dem er eine negative Eigenschaft eines Mitarbeiters oder das Fehlen einer (positiven) Eigenschaft nett umschreiben will.

Das Bundesarbeitsgericht hatte nun damit zu tun, ob ein “…kennen gelernt” eine solche verschleiernde Zeugnissprache handelt. Das BAG hat dies nicht so gesehen. Zwar besage das gebot der Zeugnisklarheit, dass ein Zeugnis klar und verständlich sein müsse. Auch dürfe es keine Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der Wortwahl ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen. So dürfen weder Wortwahl noch Auslassungen dazu führen, dass beim Leser des Zeugnisses der Wahrheit nicht entsprechende Vorstellungen entstehen.

Dies sei, so das BAG, bei der Formulierung “kennen gelernt” jedoch im dort zu entscheidenden Fall (“Wir haben…. als sehr interessierten und hochmotivierten Mitarbeiter kennen gelernt”) nicht so gewesen.

BAG, Urteil vom 15.11.2011 – 9 AZR 386/10

veröffentlicht von Rechtsanwalt Holger Klaus

VEST Rechtsanwälte LLP | Berlin
Fehrbelliner Str. 50, 10119 Berlin
Tel.: +49 30 21 808 787
www.vest-llp.de

Bitte beachten Sie, dass der obige Artikel nicht eine rechtliche Beratung im Einzelfall ersetzen kann. Sollten Sie daher Rat zu einem der oben behandelten Themen benötigen, würden wir uns über Ihre Kontaktaufnahme, gerne auch zunächst per E-Mail, jederzeit freuen.